Our definition of a „smart rural space“

A smart rural space as a complex, constantly changing

In our international Mesopartner work in the field of local and regional economic development we have always adapt a systemic perspective. It follows the approach of „seeing the forest or the whole instead of trees or isolated perspectives“. In recent years we have integrated complexity and resilience approaches into our reflection. We know from our own practice that territorial change processes can only succeed within a network of people and organisations. It never takes place in isolation and is rarely possible only through individuals.

Development is complex and many dynamics play into the attractiveness and loss of the quality of life of places. The resilience or self-help forces of municipalities, associations or local innovation systems as well as the support structures that strengthen these self-help forces matter! Against this background, we look at rural areas as subsystems of larger areas in which different institutions, interest groups, people and cultures are interwoven. The nature and intensity of their interaction and their openness or closure to new influences and thought-provoking impulses, both from internal and external, make them stronger, more resilient and more dynamic. Or also weaker, more isolated and monotonous.Komplexes System

For us, a „smart rural space“ is less a space that is particularly „efficient“, „digital“, „goal-oriented“ or „competitive“. It is a space in which people and organisations can work together to create an environment with a high quality of life. Smart rural areas are open spaces in which clever solutions are found for respectful, environmentally conscious and economically sustainable cooperation. They are spaces in which people are interested and enabled to reinvent themselves, to experiment with others, to learn from others instead of going only traditional ways. Digital technologies are not the solution. Their opportunities should be seized. But they are only one among other means to an end.

Challenges for a smart rural space

A living and open rural area needs more new instead of more old. It needs diversity of people with different patterns of experience, variety of coexisting and mutually fertilizing modern, alternative as well as (but not only) traditional life models. Diversity is the salt in the soup of larger cities. This also true for rural spaces. It creates quality of life, opens the contact to other interesting people with different life experiences, awakens new encounters and thought-provoking impulses. These also include mobile and sustainable transport and food facilities, short shopping routes, good further skills and learning opportunities for adults, families and children, the use of new technological solutions and the opportunity for residents and newcomers to contribute to the development with their own strengths and experience.

Future opportunities for smart rural spaces

It will be crucial for the vitality of rural areas to learn from cities, to look at other dynamic rural spaces, to experiment and adopt, to bridge and not only to bond their relations. A smart rural space is eager to make rural areas more alive as both living and creative spaces, to preserve valuable things and to initiate new ones.

„Smarte“ Vordenker: Jane Jacobs  und das Gefangenendilemma vieler (kleinerer) Orte

Wenn „smart“ nicht im wesentlichen mit digitalen Lösungen verbunden ist, was ist dann dessen Bedeutung? In alten Klassikern zu stöbern, macht Sinn, weil sie häufig Orientierung geben und auf grundlegende Bausteine hinweisen. So gibt es beeindruckende Vordenker, die bereits smart dachten, als der Begriff noch nicht so einseitig digital besetzt war. Zu diesen smarten Vordenkern gehört die Kanadierin Jane Jacobs, bereits 2006 verstorbene international  bekannte Urbanistin und Stadtplanungskritikerin. Mit ihrem bekannten Werk „The Economy of Cities“ (1970) widmete sie sich der Frage, was die Basis der Entwicklung von Orten und Städten ist. „Dynamische Orte erfinden sich stetig neu“ ist einer ihrer Thesen. Eine andere These: Jede Stadt war einmal klein, aber im Unterschied zu kleinen Orten, die auch klein bleiben, unterscheidet sich jeder wachsende Ort darin, dass er selbst neue Lösungen für aufkeimende Probleme entwickelt. Was bedeutet dies für kleiner Städte und ländliche Räume, ist die Fragestellung, die wir im weiteren reflektieren. Wir vergleichen die Systembeschreibungen von Jacobs und wenden sie auf die Dynamik in ländlichen Räumen an.

Bildschirmfoto 2019-04-01 um 13.32.55Source: https://centerforthelivingcity.org

Jane Jacobs Logik der endogenen Dynamik

Was die Aufgabe von dynamischen Orten ist arbeitet Jane Jacobs in ihrem Ansatz von 1970 aus einer sehr ökonomischen Perspektive heraus: Die Entwicklung von Städten, kleinen Orten oder auch Dörfern zeichnet sich dadurch aus, dass diese Orte Produkte entwickeln, die vermarktbar sind bzw. auf anderen Märkten verkauft werden. Jacobs benutzt hier Exporte als Referenzpunkt und spricht von zwei sich gegenseitig ergänzenden Entwicklungsdynamiken:

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  • Dynamik 1 (Export- Herstellung von Zulieferprodukten-Export der Zulieferprodukte): Der Export von guten Produkten an einem Ort führt auf die Dauer zu anspruchsvolleren unternehmerischen Zulieferstrukturen. Diese Spezialisierung vor Ort führt wiederum dazu, dass auch bald die Zulieferprodukte exportiert werden können. Die Zulieferer werden unabhängig von ihren vorherigen lokalen Einkäufern und der Ort wird unabhängiger von den ersten Exporteuren. Die Wirtschaft diversifiziert sich.
  • Dynamik 2 (Importe- Substitution der Importe-neue potenzielle Spezialisierung): Die spezialisierte Produktion und die Zunahme von lokalen Einkünften und Gehältern führt zu einem Anstieg weiterer Importe, die wiederum auf die Dauer zum Teil selbst lokal produziert werden. Importe werden also substituiert. Damit findet eine weitere Spezialisierung und Wertschöpfungssteigerung statt. Die neuen lokal produzierten Produkte (oder auch Dienstleistungen) können eines Tages aufgrund ihrer weiteren Spezialisierung auch exportiert werden. Sie tragen zugleich langfristig zum Anstieg von weiteren wissensintensiveren Importen bei. Damit schließt sich ein, sich wiederholender Kreis von fortwährender Entwicklung.

Die beiden skizzierten Entwicklungskreisläufe (Systeme 1 und 2) sind heute eigentlich nichts Neues mehr. Sie verdeutlichen im wesentlichen Wirtschafts- und Produktkreisläufe als auch räumliche Strukturwandelprozesse. Die Analyse von Jane Jacobs ist aber beeindruckend, weil sie die notwendige soziale Wandelbereitschaft eines Ortes und dessen Dynamik in den Vordergrund ihrer Betrachtung stellt, zugleich auf den Punkt bringt, worauf es für smarte Orte ankommt. Sie geht in ihrer Argumentation zurück auf die historische Analyse von dynamischen und kriselnden Großstädten wie z.B. Detroit oder Birmingham, die auch einmal kleine Orte waren. Städte und Orte befinden sich nach Jacobs in einem Gefangenendilemma, wenn sie nicht in der Lage sind, ihr vorhandenes Wissen neu zu kombinieren, Neues aufzubauen, zu gestalten, neue Wege zu gehen, die nicht nur allein auf Altem setzen.

Suche nach Parallelen zu den Jacobs-Dynamiken für kleinere Orte 

 Inwiefern hängt dies zusammen mit der Entwicklung des ländlichen Raums? Aus der Beschreibung von Jacobs lässt sich einiges auch für kleinere Orte und mittelgroße Städte ziehen:

 

  • Wirtschaftliches Wachstum und Wertschöpfung ist auch wichtig für kleinere Orte. Aber es ist nicht nur das wirtschaftliche Wachstum, sondern auch das Wachstum an neuen Ideen was zählt
  • Smarte Orte erfinden sich neu, suchen nach neuen Wegen und neuen Anstößen. Der ländliche Raum kann nicht allein seine Naturvorteile und sein soziales Bürgerschaftsengagement hochhalten, wenn die Menschen selbst nicht auch nach neuen Ansätzen suchen, traditionelle Strukturen (z.B. im Vereinsleben) oder einen Mangel an neuen Wegen und Lösungen überwinden. In vielen Orten bleibt der Eindruck, dass sie sich selbst mit dem Niedergang abgefunden haben, die reine Funktion als Schlafort hinnehmen, statt eigene Lösungen unter den gegebenen Möglichkeiten im ländlichen Raum anzugehen.

Zieht man die beiden Systemperspektiven von Jacobs heran lassen sich weitere Herausforderungen und Lösungsansätze für den ländlichen Raum formulieren.

Lokale Ansätze inspiriert aus Jacobs erster Dynamik  (s.o.)

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  • Der Ort, die Stadt, das Dorf schaut nach eigenen Stärken, nutzt die gegebenen Vorteile, die die Natur, die Vorfahren, die Unternehmer und Sektoren vor Ort geschaffen haben, und baut darauf neue Ansätze auf. Dies gilt für die Suche nach neuen Dienstleistungsansätzen, nach Innovationen im produzierenden Gewerbe als auch für die Stärkung von neuen sozialen und ökologischen Lösungsansätzen. Hierzu zählen z.B. neue Ansätze im Tourismus, in der Förderung von kreativen Köpfen im Start-up-Bereich, in der Stärkung von traditionellen Unternehmen, die sich neu ausrichten wollen, in dem Ausbau von innovativen lokalen Zulieferkreisläufen z.B. von gesunden Produkten, in der Erfindung von neuen Lösungen für aufkommende Probleme wie Mobilität, ländliche Carsharing – und Transportmodelle, Altersversorgung, Jugendbildung etc.. Neue Ansätze in einem Feld (z.B. Förderung von neuen sozialen Lösungen für ältere Menschen, für Freiberufler, Selbständige oder die Jugend) führt zu Neuem im anderen Feld (neue Dienstleistungen, neue Netzwerke, neue Produkte, neue Projektansätze)
  • Lösungsansätze, die man früher nicht im Blick hatte, werden durch die Förderung von neuen Netzwerken angegangen.
  • Die Zunahme der Angebote und Aktivtäten vor Ort stärkt dessen Lernfähigkeit, führt zu mehr Ideenreichtum, der Suche nach anderen Beispielen und den Blick nach außen. Neue Ideen werden entwickelt, von anderen kopiert (importiert), lokal aufbereitet, umgesetzt. Die Abhängigkeit von traditionellen Strukturen nimmt ab und größere Vielfalt entsteht.
  • Neue Netzwerke entstehen mit anderen Menschen vor Ort, mit anderen Netzwerken außerhalb des Ortes und mit einer Buntheit von Austauschprozessen. Neue Beziehungsnetzwerke entstehen.

Ansätze aus Jacobs zweiten Dynamik (s.o.)

  • Eine gestiegene Dynamik im Ort schafft Ausstrahlungskraft. Nicht nur neue Ideen werden importiert, sondern die Orte im ländlichen Raum schaffen es auch, neue Menschengruppierungen anzuziehen. Dies können neue Ansiedler sein, Fachkräfte oder Rückkehrer. Sie werden aufmerksam, siedeln sich womöglich in den Orten an, wo eine neue Dynamik, Begeisterungsfähigkeit und Bewegung spürbar wird
  • Neue Ansiedler haben eigene Ansprüche von dem Leben vor Ort, eigene Bedarfe, bringen eigene Ideen ein und möchten selbst mitgestalten und vor Ort Verantwortung übernehmen. Hierfür benötigen sie den Raum und die Offenheit für die Umsetzung von neuen Wegen.

Beide Dynamiken bedingen und bestärken sich gegenseitig. Sie führen zu einer größeren Offenheit des Lernens in Orten, zur Suche nach eigenen Lösungen, zu einer bunteren  Bevölkerungsstruktur mit diversifizierten Ansprüchen an den ländlichen Raum und schließlich zur höheren Lebensqualität des Raumes für  Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen.

Jane Jacobs war auch eine Umweltvorkämpferin und kurz vor Ihrem Tod (2006) Mitbegründerin des „Center for the Living City“. Das Center verfolgt den Anspruch, lebendige und inklusive Orte zu stärken, in denen Menschen vor Ort selbst die Entwicklung in die Hand nehmen. Die Energiewende-Ziele u.a. in Deutschland und die UN-Nachhaltigkeitsziele bieten eine gute Richtschnur, um Jane Jacobs Dynamik-Logiken auch für grössere und kleinere Räume kreativ zu nutzen.

Unsere  Definition von „smartem Land“ und wesentliche Aspekte

In unserem Umfrage-Artikel hatten wir gespiegelt, was andere Experten der ländlichen Entwicklung in Deutschland unter dem Begriff „Smartes Land“ verstehen. Wir hatten bewusst keine eigene Interpretation des Begriffs gegeben, keine Zensur vorgenommen. Unser Anliegen war es, die die unterschiedlichen Bewertungen zu verdeutlichen, indem wir andere zu Wort kommen ließen.

In diesem Blog skizzieren wir unseren eigenen Blickwinkel auf das Thema  Smartes Land, eine eigene Definition und die aus unserer Sichtweise wesentlichen Herausforderungen.  Unser Hexagon Smartes Land vertieft dieses Verständnis und zeigt Handlungsoptionen auf. „Unsere  Definition von „smartem Land“ und wesentliche Aspekte“ weiterlesen

Was zeichnet ein „smartes Land“ aus? Ergebnisse einer Umfrage

Smartes Land ist gerade nicht Digitalisierung. Es geht um die Frage, was eine Kleinstadt mit vielen Dörfern im Kern zusammenhält“, sagt eine Wirtschaftsförderin aus Ostwestfalen Lippe. Sie selbst arbeitet im ländlichen Raum daran, mit lokalen Akteuren die Chancen von neuen technischen und digitalen Lösungen für die gemeinschaftliche Entwicklung nutzbar zu machen. Auf dem Zukunftsforum Ländliche Entwicklung in Berlin befragte Mesopartner neben ihr auch verschiedene andere Experten zu der Frage. „Was zeichnet ein smartes Land aus?“ Der Begriff stammt aus dem Englischen und hat als „smart rural areas“ in den letzten Jahren die internationale Diskussion um Innovationen im ländlichen Raum geprägt.

Der folgende Blog gibt Mitschnitte unserer Umfrage wieder und verdeutlicht, dass smarte Räume weit mehr benötigen als digitale Lösungen. „Was zeichnet ein „smartes Land“ aus? Ergebnisse einer Umfrage“ weiterlesen

Herzlich willkommen auf smartes.land

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Wir verstehen die Plattform smartes.land als „Lern- und Explorationsfeld“ für uns und für alle Interessierten zum Thema „Stärkung der Vielfalt und Innovation im ländlichen Raum“. Sowohl Dörfer und Kleinstädte als auch Bürger, Unternehmen, lokale Organisationen und die Politik stehen vor der gemeinsamen Herausforderung, ihr Umfeld als attraktiven Zukunfts- und dynamischen Lebensraum neu zu gestalten. Zugleich gibt es bereits viele „smarte“ Ansätze und Akteure, die das „Land“ als attraktiven Gestaltungsraum im Spannungsfeld von Tradition und Erneuerung entwickeln.

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