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Wir verstehen die Plattform smartes.land als „Lern- und Explorationsfeld“ für uns und für alle Interessierten zum Thema „Stärkung der Vielfalt und Innovation im ländlichen Raum“. Sowohl Dörfer und Kleinstädte als auch Bürger, Unternehmen, lokale Organisationen und die Politik stehen vor der gemeinsamen Herausforderung, ihr Umfeld als attraktiven Zukunfts- und dynamischen Lebensraum neu zu gestalten. Zugleich gibt es bereits viele „smarte“ Ansätze und Akteure, die das „Land“ als attraktiven Gestaltungsraum im Spannungsfeld von Tradition und Erneuerung entwickeln.

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Viel Vergnügen beim Stöbern!

„Smarte“ Vordenker: Jane Jacobs  und das Gefangenendilemma vieler (kleinerer) Orte

Wenn „smart“ nicht im wesentlichen mit digitalen Lösungen verbunden ist, was ist dann dessen Bedeutung? In alten Klassikern zu stöbern, macht Sinn, weil sie häufig Orientierung geben und auf grundlegende Bausteine hinweisen. So gibt es beeindruckende Vordenker, die bereits smart dachten, als der Begriff noch nicht so einseitig digital besetzt war. Zu diesen smarten Vordenkern gehört die Kanadierin Jane Jacobs, bereits 2006 verstorbene international  bekannte Urbanistin und Stadtplanungskritikerin. Mit ihrem bekannten Werk „The Economy of Cities“ (1970) widmete sie sich der Frage, was die Basis der Entwicklung von Orten und Städten ist. „Dynamische Orte erfinden sich stetig neu“ ist einer ihrer Thesen. Eine andere These: Jede Stadt war einmal klein, aber im Unterschied zu kleinen Orten, die auch klein bleiben, unterscheidet sich jeder wachsende Ort darin, dass er selbst neue Lösungen für aufkeimende Probleme entwickelt. Was bedeutet dies für kleiner Städte und ländliche Räume, ist die Fragestellung, die wir im weiteren reflektieren. Wir vergleichen die Systembeschreibungen von Jacobs und wenden sie auf die Dynamik in ländlichen Räumen an.

Bildschirmfoto 2019-04-01 um 13.32.55Source: https://centerforthelivingcity.org

Jane Jacobs Logik der endogenen Dynamik

Was die Aufgabe von dynamischen Orten ist arbeitet Jane Jacobs in ihrem Ansatz von 1970 aus einer sehr ökonomischen Perspektive heraus: Die Entwicklung von Städten, kleinen Orten oder auch Dörfern zeichnet sich dadurch aus, dass diese Orte Produkte entwickeln, die vermarktbar sind bzw. auf anderen Märkten verkauft werden. Jacobs benutzt hier Exporte als Referenzpunkt und spricht von zwei sich gegenseitig ergänzenden Entwicklungsdynamiken:

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  • Dynamik 1 (Export- Herstellung von Zulieferprodukten-Export der Zulieferprodukte): Der Export von guten Produkten an einem Ort führt auf die Dauer zu anspruchsvolleren unternehmerischen Zulieferstrukturen. Diese Spezialisierung vor Ort führt wiederum dazu, dass auch bald die Zulieferprodukte exportiert werden können. Die Zulieferer werden unabhängig von ihren vorherigen lokalen Einkäufern und der Ort wird unabhängiger von den ersten Exporteuren. Die Wirtschaft diversifiziert sich.
  • Dynamik 2 (Importe- Substitution der Importe-neue potenzielle Spezialisierung): Die spezialisierte Produktion und die Zunahme von lokalen Einkünften und Gehältern führt zu einem Anstieg weiterer Importe, die wiederum auf die Dauer zum Teil selbst lokal produziert werden. Importe werden also substituiert. Damit findet eine weitere Spezialisierung und Wertschöpfungssteigerung statt. Die neuen lokal produzierten Produkte (oder auch Dienstleistungen) können eines Tages aufgrund ihrer weiteren Spezialisierung auch exportiert werden. Sie tragen zugleich langfristig zum Anstieg von weiteren wissensintensiveren Importen bei. Damit schließt sich ein, sich wiederholender Kreis von fortwährender Entwicklung.

Die beiden skizzierten Entwicklungskreisläufe (Systeme 1 und 2) sind heute eigentlich nichts Neues mehr. Sie verdeutlichen im wesentlichen Wirtschafts- und Produktkreisläufe als auch räumliche Strukturwandelprozesse. Die Analyse von Jane Jacobs ist aber beeindruckend, weil sie die notwendige soziale Wandelbereitschaft eines Ortes und dessen Dynamik in den Vordergrund ihrer Betrachtung stellt, zugleich auf den Punkt bringt, worauf es für smarte Orte ankommt. Sie geht in ihrer Argumentation zurück auf die historische Analyse von dynamischen und kriselnden Großstädten wie z.B. Detroit oder Birmingham, die auch einmal kleine Orte waren. Städte und Orte befinden sich nach Jacobs in einem Gefangenendilemma, wenn sie nicht in der Lage sind, ihr vorhandenes Wissen neu zu kombinieren, Neues aufzubauen, zu gestalten, neue Wege zu gehen, die nicht nur allein auf Altem setzen.

Suche nach Parallelen zu den Jacobs-Dynamiken für kleinere Orte 

 Inwiefern hängt dies zusammen mit der Entwicklung des ländlichen Raums? Aus der Beschreibung von Jacobs lässt sich einiges auch für kleinere Orte und mittelgroße Städte ziehen:

 

  • Wirtschaftliches Wachstum und Wertschöpfung ist auch wichtig für kleinere Orte. Aber es ist nicht nur das wirtschaftliche Wachstum, sondern auch das Wachstum an neuen Ideen was zählt
  • Smarte Orte erfinden sich neu, suchen nach neuen Wegen und neuen Anstößen. Der ländliche Raum kann nicht allein seine Naturvorteile und sein soziales Bürgerschaftsengagement hochhalten, wenn die Menschen selbst nicht auch nach neuen Ansätzen suchen, traditionelle Strukturen (z.B. im Vereinsleben) oder einen Mangel an neuen Wegen und Lösungen überwinden. In vielen Orten bleibt der Eindruck, dass sie sich selbst mit dem Niedergang abgefunden haben, die reine Funktion als Schlafort hinnehmen, statt eigene Lösungen unter den gegebenen Möglichkeiten im ländlichen Raum anzugehen.

Zieht man die beiden Systemperspektiven von Jacobs heran lassen sich weitere Herausforderungen und Lösungsansätze für den ländlichen Raum formulieren.

Lokale Ansätze inspiriert aus Jacobs erster Dynamik  (s.o.)

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  • Der Ort, die Stadt, das Dorf schaut nach eigenen Stärken, nutzt die gegebenen Vorteile, die die Natur, die Vorfahren, die Unternehmer und Sektoren vor Ort geschaffen haben, und baut darauf neue Ansätze auf. Dies gilt für die Suche nach neuen Dienstleistungsansätzen, nach Innovationen im produzierenden Gewerbe als auch für die Stärkung von neuen sozialen und ökologischen Lösungsansätzen. Hierzu zählen z.B. neue Ansätze im Tourismus, in der Förderung von kreativen Köpfen im Start-up-Bereich, in der Stärkung von traditionellen Unternehmen, die sich neu ausrichten wollen, in dem Ausbau von innovativen lokalen Zulieferkreisläufen z.B. von gesunden Produkten, in der Erfindung von neuen Lösungen für aufkommende Probleme wie Mobilität, ländliche Carsharing – und Transportmodelle, Altersversorgung, Jugendbildung etc.. Neue Ansätze in einem Feld (z.B. Förderung von neuen sozialen Lösungen für ältere Menschen, für Freiberufler, Selbständige oder die Jugend) führt zu Neuem im anderen Feld (neue Dienstleistungen, neue Netzwerke, neue Produkte, neue Projektansätze)
  • Lösungsansätze, die man früher nicht im Blick hatte, werden durch die Förderung von neuen Netzwerken angegangen.
  • Die Zunahme der Angebote und Aktivtäten vor Ort stärkt dessen Lernfähigkeit, führt zu mehr Ideenreichtum, der Suche nach anderen Beispielen und den Blick nach außen. Neue Ideen werden entwickelt, von anderen kopiert (importiert), lokal aufbereitet, umgesetzt. Die Abhängigkeit von traditionellen Strukturen nimmt ab und größere Vielfalt entsteht.
  • Neue Netzwerke entstehen mit anderen Menschen vor Ort, mit anderen Netzwerken außerhalb des Ortes und mit einer Buntheit von Austauschprozessen. Neue Beziehungsnetzwerke entstehen.

Ansätze aus Jacobs zweiten Dynamik (s.o.)

  • Eine gestiegene Dynamik im Ort schafft Ausstrahlungskraft. Nicht nur neue Ideen werden importiert, sondern die Orte im ländlichen Raum schaffen es auch, neue Menschengruppierungen anzuziehen. Dies können neue Ansiedler sein, Fachkräfte oder Rückkehrer. Sie werden aufmerksam, siedeln sich womöglich in den Orten an, wo eine neue Dynamik, Begeisterungsfähigkeit und Bewegung spürbar wird
  • Neue Ansiedler haben eigene Ansprüche von dem Leben vor Ort, eigene Bedarfe, bringen eigene Ideen ein und möchten selbst mitgestalten und vor Ort Verantwortung übernehmen. Hierfür benötigen sie den Raum und die Offenheit für die Umsetzung von neuen Wegen.

Beide Dynamiken bedingen und bestärken sich gegenseitig. Sie führen zu einer größeren Offenheit des Lernens in Orten, zur Suche nach eigenen Lösungen, zu einer bunteren  Bevölkerungsstruktur mit diversifizierten Ansprüchen an den ländlichen Raum und schließlich zur höheren Lebensqualität des Raumes für  Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen.

Jane Jacobs war auch eine Umweltvorkämpferin und kurz vor Ihrem Tod (2006) Mitbegründerin des „Center for the Living City“. Das Center verfolgt den Anspruch, lebendige und inklusive Orte zu stärken, in denen Menschen vor Ort selbst die Entwicklung in die Hand nehmen. Die Energiewende-Ziele u.a. in Deutschland und die UN-Nachhaltigkeitsziele bieten eine gute Richtschnur, um Jane Jacobs Dynamik-Logiken auch für grössere und kleinere Räume kreativ zu nutzen.

„Hexagon Smartes Land“: Ein Ansatz zur Eröffnung von Handlungsoptionen

Der Rahmen  Hexagon Smartes Land ist für unsere eigene Beratungspraxis entwickelt worden. Er verdeutlicht zugleich unser Verständnis von wesentlichen Handlungsoptionen für das Land. Das Hexagon  wird zum einen der Komplexität und unserem noch offenen Suchprozess gerecht, zum anderen gibt er Praktikern konkrete Handlungsschritte zum Experimentieren vor Ort an die Hand. Es stellt aus unserer bisherigen Sicht die sechs relevantesten und sich gegenseitig befruchtenden Handlungsstränge zusammen. Jedes Dreieck kann ganz konkret  von Menschen, Gruppen, Kommunen und Kreisen zur Initiierung von Workshops benutzt werden, um konkrete Umsetzungsprozesse zu identifizieren und anzustoßen. Es hilft auch als Strukturierungsrahmen, um bereits laufende Aktivitäten in einem Raum zuzuordnen und Lücken aufzudecken. Ein deutsches Kreis-Beispiel (Kreis Steinfurt) findet sich in diesem Artikel. Hier findet sich auch eine englische und spanische Beschreibung des Ansatzes.

Die sechs Handlungsstränge werden im Folgenden in Kurzversion und dann im Detail erläutert.

Graphik 1: Zusammenfassung der Ziele des Hexagon Smartes Land

Das Wesentliche des Hexagons zusammengefasst

Ein smartes Land benötigt

  1. die Einbindung der kreativen Kräfte über Lokalpolitiker und Vereine hinaus: Querdenker, junge und alte Kreative, Unternehmer, Berufstätige und interessierte Einzelpersonen im sozialen, gesundheitlichen und ökologischen Bereich (Hexagon-Dreieck 1)
  2. die Integration und Ideen von Menschen und ihrem Blickwinkel von außen: Zugezogene, potenzielle Rückkehrer, Landinteressierte  (Hexagon-Dreieck 2)
  3. Kreative soziale, ökologische und wirtschaftliche Lösungsansätze und Projekte  (Hexagon-Dreieck 3)
  4. Lernexperimente, Qualifikationen und auch in den etablierten Institutionen auf dem Land die Lust am Lernen und Ausprobieren neuer Wege (in Verwaltung, Bildungsträgern, Schulen, Wirtschaftsförderern, Vereinen)  (Hexagon-Dreieck 4)
  5. kleine Experimente die testen, was möglich ist, schnell umsetzbare Projektwerkstätten und längerfristig angelegte Strukturprojekte  (Hexagon-Dreieck 5)
  6. die Unterstützung durch ehrenamtliche Bürgernetzwerken als aber auch den Aufbau von konkreten Instrumenten/Einrichtungen und die Einstellung von professionellen Teil- und Vollzeitkräften zur Institutionalisierung des Wandels  (Hexagon-Dreieck 6)

Die einzelnen Dreiecke und ihre Synergien

Die folgende Graphik zeigen die 6 relevantesten und sich gegenseitig befruchtenden Handlungsstränge auf. Wir erläutern jedes Dreieck in den folgenden Absätzen.

Graphik 2: Hexagon zur smarten Entwicklung in ländlichen Räumen

1. Identifizierung und Bildung einer Koalition der kreativen Klasse oder die Bündelung der Kräfte von Menschen, die Neues ausprobieren wollen

Wandel kann nicht von Außen aufgesetzt und auch nicht durch Fördergelder allein initiiert werden. Es bedarf der Verankerung in den Orten durch kreative, tatkräftige und querdenkende Menschen in den Städten und Dörfern, die von unten Bewegung schaffen. Unter den üblich Verdächtigen in den lokalen Strukturen, den Vereinen und der Lokalpolitik lassen sich Menschen finden, die sich engagieren wollen. Diese allein reichen jedoch häufig nicht aus. Querdenker sind häufig in den Orten lebende Menschen mit neuer Sicht auf die Dinge und den Raum. Sie stehen häufig den etablierten Strukturen eher kritisch gegenüber, sind unbequem aber bringen wichtige neue Impulse ein. Die dritte wichtige Gruppe sind bereits ansässige innovative Unternehmer, Freiberufler ebenso wie technisch versierte und engagierte junge Menschen. Sowohl letztere als auch die Querdenker werden häufig in die Entscheidungsstrukturen zu wenig integriert. Gemeinsames Kennzeichen dieser unterschiedlichen Menschen ist der Wunsch, etwas zum Besseren verändern zu wollen. Die Schaffung einer Koalition mit den drei Akteursgruppen ist eine wichtige Kraft für die Initiierung von sehr unterschiedlichen aber frischen Initiativen. Gut moderierte Workshops mit dieser Zielgruppe im ersten Hexagon-Dreieck können bereits zu einer Vielzahl von umsetzbaren ersten Projektideen führen.

Graphik 3: Zielpunkte jedes Hexagon- Dreiecks und Synergien

2. Integration von Außenperspektiven und Öffnen zu anderen Netzwerken

Wie etabliert man in einer ländlichen Region Offenheit, lebendiges Interesse an neuen Ideen und ein „thinking outside the box“? Nicht alle Ideen müssen vom Land kommen, aber das Land muss offen sein für andere Ideen. Zum ersten: Viele innovative Entwicklungsbeispiele und Projekte wurden in dynamischen Städten mit einer kritischen Nachfrage umgesetzt und bergen Entwicklungschancen für den ländlichen Raum. Dazu gehören z.B. Coworking Spaces, Car Sharing und andere neue Mobilitätsmodelle,  Startup- und SocialHub-Konzepte, Innovation Labs oder Ideen-Hackathons. Diese und andere Ansätze lassen sich – modifiziert – auch auf dem Land umsetzen. Zweitens gibt es Fachkräfte und Experten auch woanders im Umkreis. Diese Erfahrungsressourcen in eigene Suchprozesse einzubinden, ist entscheidend. Drittens, die Einbeziehung weiterer Menschen mit neuen Ideen wie neu Zugezogene, potenzielle Rückkehrer und städtische Landlustige muss ausgebaut werden. Zugezogene kommen ebenso wie Rückkehrer häufig mit anderen Erfahrungen und Sichtweisen auf das Land. Es tun sich in der ländlichen Region in der Regel neue Perspektiven, neue Möglichkeiten, neue Ideen und neue Blickwinkel auf, wenn diese drei Gruppen nach ihren Bedürfnissen und ihren Ideen für Innovationen gefragt und eingebunden werden.

3. Stärkung und Vernetzung von wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Innovationen mit Hilfe digitaler Lösungen zur Schaffung neuer dynamischer Entwicklungspfade

Die digitale Vernetzung von Mensch und Maschine und mobile Informations- und Versorgungsplattformen bergen viele Chancen sowohl für wirtschaftliche, ökologische und soziale Innovationen. Beispielprojekte wie „Digitale Dörfer“ in Rheinland-Pfalz oder „SmartRuralSide“ in Ostwestfalen zeigen auf, was möglich ist. In der ländlichen Wirtschaft finden erste Ansätze von digitalen Innovationen unter dem Begriff von Industrie 4.0 für produzierende Unternehmen statt. Gerade Handwerks- als auch Industrieunternehmen haben ihren Sitz sehr häufig in der ländlichen Region. Darüber hinaus entwickeln viele Unternehmen zum Teil gemeinsam mit Startups neue Geschäftsmodelle. Aber auch die Anwendung von ökologischen Innovationen verbunden mit neuen Geschäftsmodellen zu Themen wie E-Mobilität für Auto und Fahrrad, erneuerbare Energiesysteme, nachhaltige Kreislaufwirtschaftsansätze, Gardening-Projekte, oder nachhaltige Bio-Ernährungsversorgung sind Felder, deren Förderung auf dem Land neue Dynamiken freisetzen können. Auch soziale Innovationen lassen sich mit Hilfe von digitalen Lösungen noch ausbauen. Kommunikations- und Hilfeplattformen, Mitfahrdienste und Partizipation haben viel Potenzial. Zugleich ermöglicht dieses Querschnittsthema den Aufbau von neuem Miteinander und Begegnung. Es schafft über die Vernetzung der Bürger untereinander ganz nebenbei eine größere soziale Anbindung an den Ort. In diesem Bereich entsteht auch ohne den Einsatz von digitalen Lösungen viel Spannendes: Neue Genossenschafts- und „Social entrepreneurship“-Modelle, neue Wohnmodelle wie Mehrgenerationshäuser, Alten-WGs oder „Jung kauft Alt“-Ansätze verdeutlichen neue Formen des sozialen Miteinanders.

Alle drei Innovationsbereiche haben große Schnittmengen und können in Workshops ausgearbeitet und in konkreten Umsetzungsprojekten dann ausprobiert werden. Wichtig ist es hier, Projekte zu wählen, die in den Spannungsfeldern „Tradition und Moderne“ sowie „Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität“ neue Wege initiieren.

4. Experimentieren,  Lernen und Qualifizieren für den Wandel

Im ländlichen Raum gibt es eine Vielzahl von Bildungsherausforderungen, die auch – aber nicht allein – die formalen Strukturen wie Vereine, Schule und höhere Weiterbildung betreffen. Viele Kommunen, ihre Verwaltungen und lokalen Förderorganisationen sind häufig sehr traditionell und damit wenig innovativ und flexibel aufgestellt. Neue Lösungen anzustoßen erfordert ebenso eine Offenheit für Wandel in den Institutionen als auch eine neue Lernkultur. Analog zur neuen Startup-Kultur ist es in diesem Feld wichtig, frühzeitig praktische Erfahrungen zu machen. Qualifizierung spielt in Zeiten des Wandels sowohl in den bestehenden öffentlichen und privaten Organisationen als auch bei den Bürgern selbst eine wichtige Rolle, um den Anschluss zu erhalten. Gerade im Kontext der zunehmenden Digitalisierung wird es eine große Rolle spielen, ob Unternehmen und etablierte Bildungseinrichtungen in der Lage sind, sich selbst neu aufzustellen und neue Angebote auch in Kooperation zu schaffen. Alle Akteure (Vereine, Fördereinrichtungen, Bildungsträger, Kommunen, Bürger, Wirtschaft) sind hier zum neuen Lernen herausgefordert. Damit innovative Ideen in ihrer Umsetzung nicht an bürokratischen Strukturen oder traditionellen Beharrungsmentalitäten scheitern, sollten Experimentierräume geöffnet  werden, in denen neue Ansätze entstehen. Auch hier lassen sich durch konkrete Workshops und Schnellanalysen neue flexible Ansätze initiieren.

5. Umsetzung konkreter Projekte und  Strategien

Wir von Mesopartner begleiten Kommunen, lokale Organisationsvertreter und Bürgervertreter in Kleinstädten und Kreisen bei ersten Schritten, um konkrete Ansätze kurzfristig anzustossen, mittelfristig aber auch Entwicklungsprozesse zu festigen und Umsetzungsstrategien zu entwerfen. Der Auftakt könnte eine Dorfkonferenz, die Arbeit in einer kleinen Gruppe oder eine grössere Offensive zur Initiierung von lokalen Innovations-, Digitalisierungs- oder Entwicklungsprojekten mit Menschen im Dorf, in der Stadt, im Kreis sein. Für den Erfolg des Prozesses ist es wichtig, dass frühzeitig erste konkrete und umsetzbare Projekte in den Kleinstädten und Dörfern initiiert werden (quick wins). Aus dem Change Management in Institutionen weiß man, wie wichtig schnelle Erfolge sind, um deutlich zu machen, was möglich ist als auch um die Koalition mit Unterstützern und „followern“ zu erweitern. Diese ersten Projekte sollten nicht nur einen schnellen Erfolg versprechen, sondern von den Akteuren vor Ort auch selbst getragen werden und einen Beispiel- und Motivationscharakter besitzen.  Im zweiten Schritt geht es darum, längerfristige, strukturbildenbde und in der Regel auch ressourcen- und managementintensivere Projekte mit einer katalytischen Kraft zu unterstützen. Mit kleinen Experimenten kann zugleich fortlaufend getestet werden, wo sich möglicherweise Freiräume für neue Lösungen auftun und Strukturen verändert werden können. Wichtig wird es sein, fortführend solche kleine Experimente zu starten, um zu testen, was noch möglich ist. Experimente in diesem Kontext bedeutet, neue Möglichkeiten im sehr Kleinen auszuloten und zu schauen, wie die Gemeinde oder Akteure in dem Kreis reagieren. Beispiele wären hier erste Workshops mit einer Gruppe von kleinstädtischen oder dörflichen digitalisierungsaffinen Menschen zur Reflexion von kleinen Pilotansätzen.

6. Institutiuonaliisrung von Wandel

Viele ländliche Strukturen basieren im wesentlichen auf dem Vereinswesen. Ehrenamtliches Engagment ist eine wesentliche Säule ländlicher Bewegung, sie wird aber in den meisten Kommunen überstrapaziert. Ergebnis ist die Last des Wandels au wenigen Schuktern und schliesslich die Überlastung. Auf die Dauer muss Veränderung verstetigt werden. Dies sollte sowohl in Form des Aufbaus von konkreten Instrumenten und Plattformen (z.B. durch einen DorfLab, ein Dorfladen, eine coworking space, eine Ideenwerkstatt), als auch durch Professionalisierung und Schaffung von Stellen geschehen. Alles drei Säulen führen zu einer stabilen Basis.

Die sechs Dreiecke stehen jeweils für sich und bilden auch als Ganzes eine Einheit. Die ersten zwei Dreiecke setzen auf die Generierung von neuen Netzwerken und Ideen, das dritte und vierte Dreieck setzen auf eine kreative und lernende Ausrichtung, Dreieck 5 und 6 schliessen den Kreis mit dem Fokus auf Umsetzung und Verstetigung von Projekten und Prozessen.

Grafik 4: Die Dreiecke schlagen verschiedene Schwerpunkte vor

Es wird sich in dem nächsten Jahrzehnt deutlich abzeichnen, welche ländlichen Räume es schaffen, durch Krisen zu wachsen, sich robuster und zugleich lebenswerter aufzustellen. Das Hexagon soll dabei ermutigen, konkrete Schritte zu gehen. Die gesetzten Schwerpunkte sind nicht in Stein gemeißelt. Wir würden den Rahmen gerne weiter entwickeln und  freuen uns über Kommentare, Kritik und Anmerkungen .

 

 

Unsere  Definition von „smartem Land“ und wesentliche Aspekte

In unserem Umfrage-Artikel hatten wir gespiegelt, was andere Experten der ländlichen Entwicklung in Deutschland unter dem Begriff „Smartes Land“ verstehen. Wir hatten bewusst keine eigene Interpretation des Begriffs gegeben, keine Zensur vorgenommen. Unser Anliegen war es, die die unterschiedlichen Bewertungen zu verdeutlichen, indem wir andere zu Wort kommen ließen.

In diesem Blog skizzieren wir unseren eigenen Blickwinkel auf das Thema  Smartes Land, eine eigene Definition und die aus unserer Sichtweise wesentlichen Herausforderungen.  Unser Hexagon Smartes Land vertieft dieses Verständnis und zeigt Handlungsoptionen auf. „Unsere  Definition von „smartem Land“ und wesentliche Aspekte“ weiterlesen

Was zeichnet ein „smartes Land“ aus? Ergebnisse einer Umfrage

Smartes Land ist gerade nicht Digitalisierung. Es geht um die Frage, was eine Kleinstadt mit vielen Dörfern im Kern zusammenhält“, sagt eine Wirtschaftsförderin aus Ostwestfalen Lippe. Sie selbst arbeitet im ländlichen Raum daran, mit lokalen Akteuren die Chancen von neuen technischen und digitalen Lösungen für die gemeinschaftliche Entwicklung nutzbar zu machen. Auf dem Zukunftsforum Ländliche Entwicklung in Berlin befragte Mesopartner neben ihr auch verschiedene andere Experten zu der Frage. „Was zeichnet ein smartes Land aus?“ Der Begriff stammt aus dem Englischen und hat als „smart rural areas“ in den letzten Jahren die internationale Diskussion um Innovationen im ländlichen Raum geprägt.

Der folgende Blog gibt Mitschnitte unserer Umfrage wieder und verdeutlicht, dass smarte Räume weit mehr benötigen als digitale Lösungen. „Was zeichnet ein „smartes Land“ aus? Ergebnisse einer Umfrage“ weiterlesen